Bezirkstag Südwürttemberg 2026

Die Zukunft beginnt heute!

Mit diesem Slogan startete Dr. Werner Baur, nach erfolgter Begrüßung und Eröffnung des Bezirkstages Südwürttemberg durch den Bezirksvorsitzenden Ernst Retz, seinen Vortrag, und er ergänzte, beim heutigen Datum, dem 10.10.2026, handle es sich um einen denkwürdigen Tag, der in die Geschichte des LFVBW eingeht. Grund hierfür sei der Umstieg von analog in digital dank KI, eine nun mögliche, flächendeckende Erhebung gewässerspezifischer Daten durch den Einstieg ins digitale Zeitalter der Fischerei. Seine ausführliche Schilderung über die ökologische Notwendigkeit der Erfassung relevanter Daten an unseren Gewässern machte er an Beispielen fest. So bestimmt die Wassertemperatur das Artenspektrum und den Lebensraum aller aquatischen Lebewesen. Temperaturschwankungen durch z.B. Hitzewellen fordern zum Handeln in Abhängigkeit durch die steigenden Wassertemperaturen auf. Am Beispiel der Forellen stellt ein Bach mit 15°C einen stressfreien Lebensraum dar, wobei eine Erwärmung über 24°C, wie es dieses Jahr öfters der Fall war, tödlich sein kann. Geschwächte Tiere sind viel anfälliger für Krankheiten und Erreger. Dringendes Handeln mit geeigneten Maßnahmen ist oberstes Gebot.

Das Wissen über die richtige und mengenmäßig korrekte Bepflanzung, eine funktionsfähige Renaturierung, die nicht einfach nur den Bach aufweitet und ihn dadurch zusätzlich noch in der Tiefe reduziert, sowie auch fehlende Beschattung muss den Verantwortlichen vermittelt werden. Leider werden diese Maßnahmen oft fehlerhaft praktiziert und bewirken genau das Gegenteil. Ebenso müssen Besatzmaßnahmen an Temperatur und Jahreszeit angepasst werden. Gezielte Messungen des pH-Wertes sind erforderlich, denn durch eine Veränderung des pH-Wertes in alkalischer Richtung wird Ammonium für Fische zum giftigen Ammoniak. Die Erhebung weiterer Gewässerdaten ist zukünftig unerlässlich und kann dank der Entwicklungsinitiative des 1. Vorstandes des FV Wangen e.V., Herrn Altiparmak, einfach jederzeit digital erhoben und ausgewertet werden. Mit dem Aufruf, den Schritt ins digitale Zeitalter der Fischerei zu machen, beendete Herr Dr. Baur seinen mit Euphorie geladenen Vortrag und übergab direkt an den Entwickler dieser Neuerung zur detaillierten Vorstellung.

Herr Daniel Altiparmak untermauerte im Anschluss die von Herrn Dr. Baur zitierten Probleme mit Zahlen der erhobenen Messdaten. Mit der Aussage „Wir wissen es“ ging er auf die Vermutungen ein. Die Zusammenhänge zu erkennen und daraus Schlüsse zu ziehen, stellte bis dato die gängige Praxis dar, nun jedoch können Zahlen der Messdaten dies bestätigen. Z.B. wurde von 44 Messtagen an 4 Tagen eine Temperatur von 25°C im Bach gemessen – für heimische Salmoniden in der Regel tödlich. Der höchste Wert wurde am 02.08.2026 mit 28,2°C und einer Sättigung von nur noch 3,2 mg/l gemessen. Anhand dieser Zahlen kann man nun nachvollziehen, warum es immer wieder zu einem Fischsterben kommt – sie ersticken einfach! Zahlen bestätigen die Vermutungen. Sein Wunsch, ein flächendeckendes Netz aufzubauen, kann durch die Fischereivereine erfüllt werden. Die von ihm selbst entwickelte Software mit dem Namen LimnoNetz kostet den Verein nichts und ist an kein System gebunden. Die Datensicherheit ist gewahrt und das Auslesen der angezeigten Parameter benötigt keine Schulung. Die Messgeräte können oft über Fördertöpfe und Vereinszuschüsse der Städte und Gemeinden erworben werden.

In Kombination können diese Daten mit der ebenfalls entwickelten Vereinsapp „Petri Heil“ direkt mit den Vereinsdaten zusammengefasst werden. Die Integration erfolgt mit allen Daten aus allen Messstellen inklusive Warnung über kritische Werte direkt aufs Handy. Ein Bereich für die Mitglieder sowie für die Vorstände und Gewässeraufsicht ergänzt diese Software. Der FV Wangen e.V. arbeitet damit und kann sie nur empfehlen.

Homepage: limnonetz.de ; petri-heil.online

Mit etwas beschwichtigenden Worten begann Herr Dipl.-Biologe Uwe Dußling als Fischereireferent des Regierungsbezirks Tübingen seinen Vortrag. Bezugnehmend auf die Vorredner erwähnte er, dass eine Datenerhebung nicht ganz so einfach und vor allem verwertbar sei. Für eine Verwertbarkeit müsse es im Sinne einer Begründung für Maßnahmen eine nachvollziehbare und einheitliche Messmethode geben. Hierfür müssten Vorgaben eingehalten werden. Doch als Hilfe zur Erkennung der Verhältnisse in den eigenen Gewässern sei diese Erhebung der Daten durchaus sinnvoll.

Nun zu seinem eigenen Vortrag kommend schilderte er die Probleme der fischereirechtlichen Hege unter Dürrebedingungen, wie in diesem Sommer. Anhand des Zyklus dimiktischer Seen veranschaulichte er die Erwärmung und die Abkühlung dieser Gewässer. Einhergehend mit der Sauerstoffkonzentration zu den unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten im Sommer, verursacht durch Pflanzen, vorwiegend durch die Fotosynthese der Algen, konnte dargestellt werden, dass zu Tageszeiten eine Übersättigung an gebundenem Sauerstoff bis zu 130% im Oberflächenbereich der Gewässer bis zu einer Tiefe von ca. 2 Metern vorliegt. Drastisch abnehmend liegt dann eine Sättigung ab 3 Metern von nur noch ca. 15% vor, also eine absolute Todeszone für Fische. Bei Nacht hingegen nimmt die Sauerstoffkonzentration auf den ersten 2 Metern bereits stark ab auf nur noch ca. 70% und der tiefere Bereich bleibt bei ca. 15%. Schlussfolgernd hieraus müssen alle Fische in diesem Gewässer sich den Lebensraum auf den ersten 2 Metern teilen. Legt man nun diese Erkenntnis zu Grunde, bleibt die Frage nach der Sinnhaftigkeit von am Tag durchgeführten Belüftungsmaßnahmen durch Schaufelrad-Belüfter oder Feuerwehreinsätze, um ein Umkippen von Seen oder Teichen bei akutem Sauerstoffmangel angeblich zu verhindern. Sie verwirbeln hauptsächlich das bereits gesättigte Oberflächenwasser ohne Auswirkung auf die tieferen Bereiche. Sind diese Maßnahmen dann wirklich sinnvoll? Nach dieser Erkenntnis müsste bei Nacht, also ab Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, belüftet werden, um die fehlende Fotosynthese der Pflanzen und die damit verbundene vollständige Sättigung auszugleichen.

Weitere Maßnahmen, die auch teilweise schon von Dr. Werner Baur angesprochen wurden, wie Besatzmaßnahmen überdenken, die Förderung von Makrophyten, Beobachtung und eventuell Präventionsmaßnahmen im unmittelbaren Einzugsgebiet der Gewässer, die Errichtung eines funktionsfähigen Mönchs oder eine Winterung/Sömmerung können den Lebensraum der Gewässer verbessern. Mit einer Fragerunde beendete Herr Dußling seinen Vortrag und bedankte sich bei den Anwesenden für die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Aufgrund einer Terminüberschneidung konnte der Oberbürgermeister der Kreisstadt Wangen im Allgäu, Herr Michael Lang, sein Grußwort an die Versammlung erst nach den Vorträgen halten und lobte ausdrücklich die immer sehr gute Zusammenarbeit mit dem FV Wangen e.V. Trotz der sehr vielen Vereine auf seiner Gemarkung müsse er den Fischereiverein explizit erwähnen, die erhaltene Unterstützung habe sich bei der Landesgartenschau besonders bewährt. Hier sei der Verein ständiger Begleiter bei der Planung und Umsetzung gewesen. Einen außerordentlichen Dank möchte er an den Mann mit der lauten Stimme, wir alle kennen ihn als 2. Vorstand des FV Wangen e.V., Thomas Bernhard, richten. Seine Führungen waren beispielhaft und bei Groß und Klein gleichermaßen beliebt. Die ehrenamtliche Arbeit für den Natur- und Artenschutz sei hervorragend. Auch er sehe die Wichtigkeit dieser Arbeit, speziell bei den sich verändernden Klimaverhältnissen mit Trockenheit und Niedrigwasser, hier brauche es ein kompetentes Fachwissen, welches im FV Wangen e.V. ohne Frage vorhanden sei – Danke hierfür und Danke für den Verbandswein, den er im Anschluss erhielt.

Da dieser Bezirkstag Südwürttemberg vom FV Wangen e.V. ausgerichtet wurde, gilt unser Dank auch der ganzen Mannschaft. Bewirtung und Organisation waren tadellos, vor allem die Mittagspause mit gutem Essen und selbst gebackenem Kuchen im Nachgang erfreute die Teilnehmer.

Gut gesättigt begann Ernst Retz als Bezirksvorsitzender mit dem 2. Teil dieser Veranstaltung.

TOP 4: Die Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung, der Beschlussfähigkeit und der Stimmberechtigung konnte erfolgen.

TOP 5: Aktuelles aus dem Verband:

Er erwähnte die sofortige Niederlegung des Amtes des Schatzmeisters im Verband, Gerd Schwarz, ohne weitere Erklärungen, die Ankündigung des 10. Fachforums der Angelfischerei am 24. Oktober in Friedrichshafen, Probleme mit dem Finden von Ehrenamtlichen für den Bezirksvorstand und den Hinweis, dass Thomas Wahl als Präsident an dieser Sitzung teilnehmen wollte, jedoch einen Termin mit dem DAFV wahrnehmen musste.

TOP 6: Jahresbericht der Mitglieder des Bezirksvorstandes:

Dr. Werner Baur berichtete von seinen Tätigkeiten, rügte vor allem die Informationspolitik des Verbandes: Diese sei ungenügend – Punkt – Aus! Grinsend lobte er den Biber, denn er habe in diesem Sommer dafür gesorgt, dass an einigen Stellen noch Wasser verblieben ist.

Hermann Gleinser sprach über das Casting und über die große Nachfrage auf der Messe Aqua-Fisch, es habe allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Er ging auf die Meisterschaften ein und wie gut die Mitglieder des Verbandes abgeschnitten hätten.

Aufgrund der Abwesenheit anderer Referenten gab es keine weiteren Berichte.

TOP 7: Die Entlastung der Mitglieder des Bezirksvorstandes wurde von Thomas Bernhard übernommen und dieser Entlastung wurde von den Beteiligten der Versammlung einstimmig zugestimmt.

TOP 8: Wahlen 2026: Hier gab es ein „großes Paket“ zu schnüren, denn der gesamte Bezirksvorstand musste neu gewählt werden. Leider konnten einige Mitglieder aufgrund gesundheitlicher, persönlicher oder umzugsbedingter Gründe ihr bisheriges Amt nicht mehr weiterführen und standen deshalb nicht zur Wiederwahl.

Die Besetzung des Vizepräsidenten wurde durch eine Stichwahl zwischen Roland Sauter, der nicht anwesend war, und Ernst Retz entschieden. Nach mehrfachen Auszählungsfehlern wurde eine geheime Wahl mit Stimmzettel durchgeführt und führte zum Ergebnis: 63 Stimmen für Roland Sauter und 26 Stimmen für Ernst Retz. Somit bleibt Roland Sauter weiterhin der Vizepräsident des Bezirks Südwürttemberg.

Da Ernst Retz sich jedoch aus gesundheitlichen Gründen etwas zurücknehmen wollte, stand nun zur alleinigen Wahl des Bezirksvorsitzenden Franziska Kenntner, die bisher das Amt des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden innehatte. Sie wurde einstimmig gewählt und nahm die Wahl an.

Ein stellvertretender Bezirksvorsitzender konnte nicht gefunden werden.

Die Kreisvorsitzenden wurden wie folgt gewählt:

Alb-Donau – Franziska Kenntner

Biberach – Roland Sauter

Ravensburg – Werner Baur

Reutlingen – Kurt Mollenkopf

Sigmaringen – Ernst Retz

Tübingen – Udo Dubnitzki

Ulm – Heiko Winkel

Die Kreisvorsitzenden für Bodenseekreis und Zollernalbkreis konnten nicht besetzt werden.

Die Bezirksreferenten wurden wie folgt gewählt:

Gewässer – Udo Dubnitzki

Casting – Hermann Gleinser

Die Bezirksreferenten für Angelfischerei, Natur- und Artenschutz, Jugend und Öffentlichkeitsarbeit konnten nicht besetzt werden.

Der Bezirksreferent für Vorbereitungslehrgänge mit Fischerprüfung, Herr Tobias Weiß, stand nicht zur Wahl, da er turnusmäßig nicht an der Reihe war.

Nach der Wahl übernahm nun Franziska Kenntner als erste Handlung in ihrem neuen Amt die Versammlungsleitung. Sie bedankte sich, stellte sich kurz vor und versicherte, ihre Aufgaben sehr ernst zu nehmen. Ihr wichtigstes Kredo: „Leut, schwätzet miteinander“ – man kann über alles reden, nur muss man es auch machen, Kommunikation ist das A und O.

Es ist gut zu wissen, dass es noch junge Menschen gibt, die sich solch einer Aufgabe stellen und ihr Wissen, ihre Energie und Dynamik einbringen wollen.

TOP 9: Da keine Anträge vorlagen, wurde auch keine Beschlussfassung diesbezüglich nötig.

TOP 10: Unter Verschiedenes wurde das Thema Besetzung der Vorstandschaft nochmal angesprochen und angeregt, man solle doch mal ein genaues Aufgabenprofil erstellen. Das auf der Homepage hinterlegte PDF „Aufgabenprofile der ehrenamtlichen Mitglieder im Verbandsvorstand“ sei hier sehr allgemein gehalten und würde nicht dazu beitragen, sich mit den einzelnen Aufgabengebieten vertraut machen zu können. So könne nur schwer eine Entscheidung getroffen werden, ob man sich für ein Amt eignet und ob man dieses Amt auch erfüllen kann. Grundsätzlich sei man ja interessiert, ein Amt zu übernehmen, jedoch habe man keine Möglichkeit, sich vorab darüber zu informieren.

Noch bevor die Versammlung zu Ende ging, ließ es sich Thomas Bernhard nicht nehmen, sich im Namen des Bezirks Südwürttemberg bei Ernst Retz für seinen Einsatz als scheidender Bezirksvorsitzender zu bedanken. Von den Worten berührt nahm Ernst Retz das Geschenk entgegen und erklärte, dass es ihm viel Spaß gemacht habe, sich für den Verband zu engagieren, und er wünsche seiner Nachfolgerin für die Zukunft alles Gute und viel Geduld.

Text und Bilder: © Groth

Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V.
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