Bericht zum Fachforum Angelfischerei im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen am 29.10.2022

Der Präsident des Landesfischereiverbandes Thomas Wahl begrüßte die anwesenden Gäste und Ehrengäste und wünschte, dass ein Ausfall des Fachforums durch die Pandemie oder sonstige nicht zu beeinflussende Faktoren nicht wieder vorkommen möge. Dennoch sollte man die angenehmen Dinge des Lebens nicht vergessen und diese auch genießen.
Herr Dr. Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle in Langenargen wies in seinem Grußwort auf die Herausforderungen der Zukunft hin und hob den Nutzungsdruck an den Gewässern durch die klimatischen Veränderungen, die Landwirtschaft und die Wasserkraft hervor.
Leider war Oberbürgermeister Andreas Brand verhindert, ließ aber durch seinen Stellvertreter Herrn Schraitle seine Grüße an die Teilnehmer ausrichten. Er wies ebenfalls auf die vergangenen Hitzeperioden hin und betonte, dass eine Nachhaltigkeit ohne die Angler als Naturschützer nicht möglich sei.
Frau Dr. Jasminca Behrmann-Godel vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg hob in ihrem Grußwort ebenfalls die Trockenheit sowie die hohen Temperaturen und die dadurch entstehenden Probleme hervor. Sie berichtete vom Fischsterben in der Oder, ausgelöst durch eine Gift-Alge in einem der Rückhaltebecken aus dem Bergbau, das durch den Eintrag von Salzen ausgelöst wurde.
Seitens ihres Ministeriums wolle man zukünftig die Digitalisierung vorantreiben.
Den ersten Fachvortrag hielt DI Manuel Hinterhofer, Geschäftsführer Österreichischer Fischereiverband: Angelfischerei und Nachhaltigkeit in Österreich – Impulse zur nachhaltigen angelfischereilichen Nutzung von Gewässern. Ein Leitfaden, der durch zwei Ministerien erarbeitet wurde. Herr Hinterhofer wies nochmals auf die verantwortungsvolle Aufgabe der Angler zur Unterstützung der Wissenschaftler hervor.
Ebenfalls ein hochinteressanter Vortrag wurde durch Jorrit Lucas, Fischereiforschungsstelle, vorgetragen, der den Beuteangriff von Hechten untersucht. Hierbei wurden unter verschiedensten Bedingungen, mit Natur- bzw. Kunstködern, Hechte zum Angriff verleitet. Man fand doch tatsächlich heraus, dass es unter den Hechten mutige und schüchterne Exemplare gibt. Kontakt: jorrit.lucas@lazbw.bwl.de

Der nächste Vortrag, durch Herrn Dr. Albert Ros, Fischereiforschungsstelle, befasste sich mit der PKD-Krankheit bei Salmoniden. Hierbei handelt es sich um eine tödliche parasitäre Krankheit der Nieren, die bei höheren Wassertemperaturen (2-3 Wochen kontinuierlich über 15° C) bei Bachforellen auftritt. Bei Lachsen in der Schweiz hat man sie bisher nicht festgestellt, jedoch aber bei Lachsen in norwegischer Aquakultur. Man kann möglicherweise gegensteuern, indem man vorbehandelte Besatzfische einsetzt, die dann eine PKD-Resistenz entwickeln.
Nach der Mittagspause berichtete Samuel Roch, Fischereiforschungsstelle, von der Erkennung von Wild- und Zuchtkarpfen und deren Erfassung durch die Wildcarp ID-App. Der Versuch zur Erfassung soll ein halbes Jahr dauern.
Der Vortrag von Matthias Fromherz, ebenfalls Fischereiforschungsstelle, zum Thema „Der Wels in Baden-Württemberg – Fluch oder Segen“ war ebenfalls sehr interessant. Es wurden 60 Datenlogger an Welsen im Bodensee und Zuflüssen angebracht. Besonders wichtig ist, dass der Angler, der einen markierten Wels gefangen hat, weiß, was er dann zu tun hat. Unter dem Link: https://wels.ffs-360.de kann das gesamte Projekt nochmal nachgelesen werden.
Das Schlusswort der Veranstaltung setzte wiederum Herr Dr. Brinker. Er unterstrich die Aussage von Thomas Wahl, man solle durchaus seine Stimme zum Thema Angeln und Fischerei erheben, um somit Aufmerksamkeit zu wecken.

Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg bedankt sich bei allen Referenten für die spannenden Themen und Vorträge.

Bilder: Ingo Kramer

Beispielhaftes Projekt für Fließgewässer

Am Samstag, den 19. November 2022 besuchte der Bezirksvorstand des Lfv-BW Bezirk Südbaden die Dreisam in Freiburg.

Claudio Schill, Bezirksreferent für Gewässer, erläuterte in eindrucksvoller Weise, wie angesichts eines aufwändigen Projektes sogenannte „Kaltwasserpools“ hergestellt, Wurzelballen in die Flusssohle eingeschraubt und V-Verbauungen ins Flussbett gebaggert wurden.

Bei den sogenannten Kaltwasserpools handelt es sich um ausgebaggerte Vertiefungen die das Grundwasser in den Fluss einleiten umso die Gewässertemperatur nicht nur an heißen Tagen zu senken.

Bilder und Aufnahmen Ingo Kramer