Fachforum Angelfischerei 2025: Der Wels im Fokus des Klimawandels

Friedrichshafen – Am Samstag, den 25. Oktober, fand im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen das neunte Fachforum Angelfischerei unter dem Titel „Der Wels. Im Fokus der Fischerei“ statt.

Über hundert engagierte Teilnehmende aus Angelvereinen Baden-Württembergs und Bayerns folgten der Einladung des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg (LFV) und der Fischereiforschungsstelle Langenargen (FFS), um über die drängenden Herausforderungen für die Fischerei zu diskutieren – insbesondere im Kontext des fortschreitenden Klimawandels.

Das Fachforum wurde von Gerd Schwarz, Schatzmeister des LFV, und Prof. Dr. Alexander Brinker, Leiter der FFS-Langenargen, eröffnet, die die unverzichtbare Bedeutung der Fischerei für den Natur- und Landschaftsschutz hervorhoben.

Herausforderungen und Management-Ansätze

Die aktuellen Herausforderungen wurden von Dr. Jasminca Behrmann-Godel vom Ministerium skizziert, die neben Themen wie der Digitalisierung des Fischereischeins und dem Kormoranmanagement vor allem auf die Folgen des Klimawandels (Hoch- und Niedrigwasser) einging. Der Wels, als Profiteur wärmerer Temperaturen, stellt dabei eine zunehmende Herausforderung dar.

In den Fachvorträgen wurde der Wels aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet:

  • Nachhaltiges Management: Prof. Dr. Thomas Klefoth (Hochschule Bremen) thematisierte die Notwendigkeit eines nachhaltigen Fischereimanagements, das Besatz auch als einen „sozialen Druck“ versteht, der eine ökologische Gewässerbewirtschaftung fördert.
  • Wachstum und Nahrung: Dipl. Ing. agr. Stephan Hüsgen (Regierungspräsidium Karlsruhe) präsentierte spannende Daten zu Wachstum und Nahrungswahl. Er stellte fest, dass die Hauptbeute der Welse selten größer als neun Zentimeter ist und dass invasive Arten wie Kamberkrebse und Sonnenbarsche einen festen Platz auf dem Speiseplan der Welse haben. Hüsgen betonte in diesem Zusammenhang die Hegeverpflichtung und wies darauf hin, dass das Fangen und Wiederfreilassen von Fischen (Catch & Release) in Baden-Württemberg verboten ist.
  • Ausbreitung und Verhalten: Dr. Albert Ros und Dr. Samuel Roch (beide FFS-Langenargen) lieferten Erkenntnisse zu Habitatwahl, Schwimmverhalten (kurzzeitige Nutzung tieferer Jagdgründe) und der signifikanten Ausbreitung des Welses in Baden-Württemberg, deren Verbreitungsgebiet sich bioklimatisch bedingt verdoppelt hat (insbesondere Neckar, Jagst und Bodenseezuflüsse).

Komplexe Aufgaben erfordern angepasstes Handeln

Zum Abschluss widmete sich Dr. Frank Hartmann (Regierungspräsidium Karlsruhe) dem angelfischereilichen Management. Angesichts der jährlich 5.000 bis 6.000 Neuangler bei gleichbleibender Befischungsfläche betonte er die Notwendigkeit, Ausbildungsinhalte anzupassen und Gewässerwarte zur Umsetzung einer nachhaltigen Bewirtschaftung zu unterstützen. Sein Fazit: „Einfache Lösungen gibt es nicht. Wir teilen den Ertrag auch mit anderen.“

Zusätzlich präsentierte Barnaby Robert (FFS-Langenargen) erste wichtige telemetrische Daten zur Tiefen- und Nahrungswahl der Felchen im Bodensee, um die Auswirkungen des Klimawandels auf diesen Bestand zu erforschen.

Die Vorträge verdeutlichten, dass die Fischerei vor komplexen Aufgaben steht, bei denen der Wels eine Schlüsselrolle spielt. Ein angepasstes, wissenschaftlich fundiertes Management ist unerlässlich, um die Gewässerökologie langfristig zu sichern.

Verfasser des Berichts:

Simon Wachter Bezirksreferent für die Öffentlichkeitsarbeit beim Landesfischereiverband Bezirk Südbaden

Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V.
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