Dem Rohrbach auf den Grund gegangen: Erstes FLOW-Projekt im Bezirk Südbaden ein voller Erfolg

Furtwangen – Das Wetter zeigte sich anfangs zwar von seiner ungemütlichen Seite, doch graue Wolken und anhaltender Regen konnten den Tatendrang der sieben hochmotivierten Kinder und Jugendlichen nicht bremsen. Gemeinsam mit ihren Betreuern Jörg Klausmann (Bezirksreferent für Jugend Südbaden) und Klaus Lachner (Fachreferent für Gewässer) trafen sie sich am Rohrbach zu einem ganz besonderen Naturschutzprojekt. Erstmals holte der LFVBW das bundesweit renommierte FLOW-Projekt in die Region – eine wissenschaftliche Initiative zur standardisierten Erfassung und Bewertung des ökologischen Zustands unserer kleinen Fließgewässer.

Für Projektleiter Jörg Klausmann war der Tag eine gelungene Premiere. Da das FLOW-Projekt strenge wissenschaftliche Kriterien erfüllen muss, um belastbare Daten für die Forschung (unter anderem für das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) zu liefern, hatte er sich im Vorfeld extra in speziellen Schulungen ausbilden lassen. Der Lohn für die Mühe: Ein perfekt organisiertes, improvisiertes Laborzelt am Bachufer, in dem das gesamte südbadische Team trotz der Nässe absolut akribisch und hochprofessionell ans Werk gehen konnte.

Drei Spezialteams für die Gewässergüte

Um einen rund 100 Meter langen Bachabschnitt des Rohrbachs lückenlos zu durchleuchten, teilte sich der Forschernachwuchs in drei spezialisierte Gruppen auf:

  • Gruppe 1 (Gewässerstruktur): Unter der Leitung von Betreuer Fabian Fischer, (Vorstandsmitglied AV Furtwangen) untersuchten die Kids das Bachbett, den Verlauf des Ufers und spürten natürliche Barrieren auf. Für einen echten Höhepunkt sorgte Jungforscher Nils, der eine Drohne geschickt über den Bachlauf steuerte, um die Struktur des Gewässers lückenlos aus der Vogelperspektive zu dokumentieren.
  • Gruppe 2 (Chemische Parameter): Fachkundig angeleitet von Klaus Lachner, nahmen Betreuerin Petra und zwei Jugendliche die chemische Wasserqualität unter die Lupe. Sie maßen wichtige Indikatoren wie Nitrat, Phosphat und den Sauerstoffgehalt. Als Verband, für den Umweltschutz an oberster Stelle steht, versteht es sich von selbst, dass streng darauf geachtet wurde, keine Chemikalien in die Natur einzubringen – sämtliche Testflüssigkeiten wurden sicher in Spezialbehältern aufgefangen.
  • Gruppe 3 (Makrozoobenthos): Ausgerüstet mit Keschern und Eimern wateten Jörg Klausmann und zwei Nachwuchsfischer durch das kalte Nass, um die wirbellosen Kleintiere des Gewässergrundes zu sammeln. Diese Tierchen dienen als perfekte Bioindikatoren und verraten den Experten sofort, wie es biologisch um die Wasserqualität bestellt ist.

Große Begeisterung und ein nasses Missgeschick

Die Mühe im Bachbett wurde belohnt: Die Ausbeute an Kleinstlebewesen war überwältigend. Jedes einzelne Tierchen wurde gemeinsam bestimmt, gezählt und sauber protokolliert, bevor es unbeschadet in seine nasse Heimat entlassen wurde.

Dass bei so viel vollem Einsatz unter freiem Himmel auch mal etwas schiefgehen kann, gehört zum echten Abenteuer dazu: Drei Protokollblätter fielen Jörg Klausmann buchstäblich ins Wasser – was der hervorragenden Stimmung aber absolut keinen Abbruch tat. Pünktlich zum verdienten, gemütlichen Teil gegen Mittag kämpfte sich dann auch die Sonne durch die Wolken.

Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt: Ein riesiges Dankeschön gilt Silke Klausmann, die die Truppe mit frischen Brezeln, warmem Kaffee und feinem Hefezopf versorgte, sowie Betreuerin Petra für ihre phänomenalen, selbstgebackenen Kekse.

Wissensvermittlung direkt am lebenden Objekt

Neben der harten wissenschaftlichen Datenerhebung kam der Austausch untereinander nicht zu kurz. Klaus Lachner nutzte die Gelegenheit direkt am Gewässer, um den Jugendlichen anschaulich zu erklären, wie das Laichgeschäft der Forellen abläuft und warum ein intakter, unverbauter Bachlauf für das Überleben unserer Salmoniden überlebenswichtig ist. Für herzhaftes Lachen sorgte Betreuer Fabian mit einer Anekdote aus seiner eigenen Jugend: Er hatte damals am Bach statt der erhofften Forelle aus Versehen eine Bisamratte am Schwanz gepackt.

Ein starkes Signal für den Naturschutz

Am Ende des Tages stand für alle Beteiligten fest: Das erste FLOW-Projekt im Bezirk Südbaden war ein voller Erfolg! Die erhobenen Daten leisten einen wertvollen und wissenschaftlich fundierten Beitrag zum Schutz unserer heimischen Kleingewässer. Gleichzeitig hat unsere Verbandsjugend eindrucksvoll bewiesen, dass praktischer Naturschutz und die Hege unserer Gewässer trotz Regenwetter unglaublich viel Spaß machen können. Das schreit nach einer Wiederholung!

Ihr wollt mehr über das FLOW-Projekt erfahren oder selbst aktiv werden?

Unsere Experten vom Landesfischereiverband stehen euch gerne Rede und Antwort:

Jörg Klausmann

(Bezirksreferent für Jugend Südbaden) | E-Mail: joerg.klausmann@lfvbw.de

Klaus Lachner

(Fachreferent für Gewässer) | E-Mail: klaus.lachner@lfvbw.de

Verfasser des Berichts:

Simon Wachter _ Referent für die Öffentlichkeitsarbeit beim LFVBW-Bezirk Südbaden

Mail: Simon.Wachter@lfvbw.de

 

Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V.
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