Bericht zum Bezirkstag Südbaden des Landesfischereiverbandes am 11. Oktober 2025 in Deißlingen

Der diesjährige Bezirkstag Südbaden des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg fand am Samstag, den 11. Oktober 2025, pünktlich um 10:00 Uhr im Hotel Hirt in Deißlingen statt. Patrick Schnurr (Bezirksvorsitzender Südbaden) eröffnete die Versammlung und dankte Corinna Leonhard und Ingo Kramer für die Unterstützung bei der Organisation.

Fachvortrag: „Schwammlandschaft, kühles Wasser für unsere Oberläufe“

Ein zentraler Programmpunkt war der eindrucksvolle Fachvortrag von Christian Haas (stellv. Bezirksvorsitzender Südbaden) zum Thema „Schwammlandschaft, kühles Wasser für unsere Oberläufe“. Haas begann mit einem aufrüttelnden Zitat zur Klimaerwärmung, wonach das 1,5-Grad-Ziel im Schwarzwald Baar-Kreis bereits deutlich überschritten sei. Er betonte die langfristige und immense ökologische Bedeutung eines natürlichen Grundwasserhaushaltes für das Ökosystem Fließgewässer.

  • Schwammlandschaft und Klimaresilienz: Das Konzept der Schwammlandschaft gewinnt an Bedeutung, um die Wasserretentionsfähigkeit von Landschaften zu erhöhen und somit die Klimaresilienz zu stärken. Dies ist angesichts veränderter Niederschlagsregime und der Notwendigkeit, kühles Wasser in Oberläufen zu halten, essenziell.
  • Biber als Ökosystemingenieur: Der Biber fördert die Biodiversität erheblich und dient als „Ökosystemingenieur“. Seine Dämme tragen zur Grundwasserbildung, Sedimentrückhalt, zur Nährstoffsenkung und zur Verzögerung des Wasserabflusses bei, was sowohl dem Hochwasserschutz als auch der Bewältigung von Trockenheit dient.
  • Biber-Konflikt und Fischpopulation: Studien zeigen, anders als die gängige Meinung, dass Biberdämme das Oberflächengewässer durch den erhöhten Grundwasseraustausch stärker abkühlen können als eine reine Beschattung und das die Dämme für Salmoniden kein Wanderhindernis darstellen. Eine angeregte Diskussion folgte unter den Teilnehmern des Bezirkstags. Patrick Schnurr merkte hierzu an, dass die Auswirkungen auf die Fischpopulation im Biber-Territorium stets im Kontext des gesamten Einzugsgebietes betrachtet werden sollten, um die positive Gesamtbilanz des Bibers auf die Artenvielfalt, Fischpopulation und die Gewässerstruktur zu würdigen.

Nach dem intensiven Fachvortrag (dessen Inhalt als ausführlicher Bericht zum Nachlesen in der nächsten Verbandszeitschrift erscheint) und einer kurzen Pause, in der die Diskussionen fortgeführt wurden, folgte der satzungskonforme formelle Teil.

Berichte der Kreisvorsitzenden und Funktionäre

Bei Anwesenheit von 23 Vereinen, zwei Einzelmitgliedern und 11 Funktionären wurden folgende Berichte aus den Bezirken und von den Fachreferenten präsentiert:

  • Bernd Schmidt (Kreisvorsitzender Emmendingen): Berichtete über ein großes Bibervorkommen, das in Konflikt mit einem großen Bachmuschelbestand geriet. Die durch den Biber verursachte Sedimentablagerung machte eine Notbergung der Muscheln notwendig, was die Schwierigkeit im Umgang mit Artenschutzkonflikten verdeutlicht.
  • Raymond Vöstel (Kreisvorsitzender Waldshut): Meldete die Suche und mögliche Besetzung eines Nachfolgers. Er appellierte generell an eine frühzeitige Nachfolgersuche. Weitere Themen waren die Neukonzession für das Kraftwerk Rheinau und das 100-jährige Jubiläum in Bad Säckingen. Er betonte die Notwendigkeit guter Zusammenarbeit mit Behörden.
  • Christian Haas (stellv. Bezirksvorsitzender Südbaden): Unterstütze Patrick Schnurr im Bezirksvorsitz, sprang bei Elektrobefischungen ein, erstellte Stellungnahmen zu wasserrechtlichen Verfahren und ist im Fischereibeirat des Bezirks.
  • Jörg Klausmann (Bezirksreferent für Jugend): Fasste die Aktivitäten  seines ersten Jahres zusammen, darunter Bezirksjugendfischen, Stammtisch und die Vorstellung eines Anhängers des Fischmobils des Landesfischereiverbandes. Der Anhänger wurde bereits 15-mal genutzt. Er hob die Bedeutung der Jugendarbeit hervor und forderte Vereine ohne eigene Jugendgruppe auf, gezielt Maßnahmen zur Gewinnung junger Mitglieder zu ergreifen. Das Interesse von Jugendlichen an Natur- und Artenschutz ist häufig besonders ausgeprägt, was ein großes Potenzial für entsprechende Angebote bietet.
  • Klaus Lachner (Kreisvorsitzender Schwarzwald Baar-Kreis): Führte zwei Ehrungen durch und berichtete von Gewässerproblemen wie der Einleitung von Gülle aus einer abgepumpten Grube, dem Überlauf einer Hauskläranlage und den positiven Auswirkungen der Entschlammung des Klosterweihers in St. Georgen. Er verwies auf ungeklärtes Fischsterben und empfahl der Vereinsvorsitzenden die Termine der behördlichen Gewässerschauen zu erfahren und diese von den Gewässerwarten wahrzunehmen zu lassen.
  • Thomas Lang (Vizepräsident Südbaden und Kreisvorsitzender Konstanz): Beschrieb Frustration im Umgang mit Schwarzfischern und der Untätigkeit der Staatsanwaltschaften im Lande. Er kritisierte die geringe Beteiligung der Vereine an der Thematik. Die Überlastung der Behörden führe zu Verfahrenseinstellungen, selbst bei Fällen von Fischwilderei, Tierquälerei oder dem Bau von Elektrofanggeräten. Dies sei mit Blick auf das Theater beim Jugendfischereischein in den letzten Jahren absolut lächerlich. Er forderte mehr Engagement und themenbezogene Workshops in diesem Bereich. Betroffene Vereine sollen sich mit Ihren Fällen direkt unter thomas.lang@lfvbw.de an ihn wenden.
  • Er forderte mehr Engagement und themenbezogene Workshops (Natur- und Artenschutz).
  • Claudio Schill (Bezirksreferent für Gewässer): Kündigte an, dass er nach 40 Jahren eine Nachfolge für seine Position sucht. Er erwähnte die Überlegungen zur Besetzung der Geschäftsstelle Freiburg auf lange Sicht. Er bedankte sich bei allen Unterstützern und hob die Wichtigkeit der Publikation zu Kaltwasserpools hervor.
  • Patrick Schnurr (stellv. für Igor Kos, Bezirksreferent für Vorbereitungslehrgänge mit Fischerprüfung): Informierte über eine geplante Erhöhung der Prüfungsgebühr auf 50,- Euro und ein überarbeitetes Fischkundebuch. Nannte die Termine für Verbandsausschuss-Treffen (alle drei Monate).

Entlastung und Wahlen

Nach den Berichten erfolgte die Entlastung des Vorstandes, vorgenommen durch Peter Beiter (Vorsitzender ANV Oberer Neckar). Die Entlastung wurde einstimmig erteilt.

Die anstehenden Wahlen, die noch auf die Auswirkungen der Coronakrise zurückzuführen waren, betrafen mehrere Posten. Alle verbliebenen Amtsinhaber wurden einstimmig und ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Leider konnten keine Kandidaten für die offenen Ämter des Kreisvorsitzenden Ortenau, des Kreisvorsitzenden Freiburg-Hochschwarzwald, Kreisvorsitzenden Tuttlingen, sowie für die Fachreferate Casting und Angelfischerei gefunden werden. Patrick Schnurr rief dazu auf, dass offene Ämter auch kommissarisch unter dem Jahr besetzt werden können, und betonte die mögliche Unterstützung und Zusammenarbeit zwischen Angelfischerei- und Jugendreferenten.

Neues aus dem Verband

Informationen aus dem Verband betrafen die Satzungskommission des DAFV, die Herausforderungen bei Prozesskosten und Zeitaufwand durch Gegenspieler, die Ausweisung von Schutzgebieten sowie Norm- und Kontrollklagen. Das Thema Schwarzfischerei wurde erneut hervorgehoben: Es handle sich um eine Straftat, und bereits der Versuch sei strafbar. Hierzu soll eine Abfrage an die Vereine erfolgen.

Verschiedenes

Zum Abschluss wurden keine fristgerechten Anträge eingereicht. Eine Ehrung von Raymond Vöstel wurde nachgeholt. Das Fachforum am 24. Oktober 2025 in FN wurde angekündigt.

Der Bezirkstag wurde um 13:30 Uhr beendet.

Buchtipp:

„Auf schmalem Grad°“

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Zu erwerben beim Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW)

Verfasser des Berichts:

Simon Wachter Bezirksreferent für die Öffentlichkeitsarbeit beim Landesfischereiverband Bezirk Südbaden

Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V.
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