Zivilcourage am Neckar: Jungangler deckt illegale Fischerei in Rottenburg auf

Von André Schiwon, LFVBW | 05. Februar 2026

In Rottenburg am Neckar hat ein Fall von Zivilcourage gezeigt, wie wichtig Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein für den Schutz unserer Gewässer sind. Ein 13-jähriger Jungangler trug maßgeblich dazu bei, dass zwei Personen wegen illegaler Fischerei zur Verantwortung gezogen wurden. Der Fall wurde kürzlich vor dem Amtsgericht Rottenburg verhandelt und endete mit einer Verurteilung – ein Ergebnis, das bei entsprechenden Delikten nicht selbstverständlich ist.

Illegales Angeln am Neckarufer

Der Vorfall ereignete sich am 9. Juli 2025 am Neckar hinter dem Schlachthof in der Tübinger Straße. Der Jugendliche beobachtete dort ein Paar beim Angeln, ohne dass die erforderlichen Erlaubnisse vorlagen. Nach seinen Angaben sprach er den Mann an und fragte nach einem Fischereischein. Da dieser keinen vorweisen konnte, dokumentierte der Junge die Situation fotografisch und informierte die Polizei.

Im späteren Verfahren räumte der 58-jährige Mann ein, geangelt zu haben. Er gab an, nicht gewusst zu haben, dass hierfür in Deutschland eine Genehmigung erforderlich ist. Seine 48-jährige Lebensgefährtin bestritt eine Beteiligung. Das Gericht folgte dieser Darstellung jedoch nicht und bewertete die Aussage des jungen Zeugen als glaubwürdig. Dieser schilderte, das Paar bereits mehrfach beim Angeln an derselben Stelle beobachtet zu haben.

Klare Worte des Gerichts

Am Ende der Verhandlung würdigte die zuständige Richterin das Verhalten des Jugendlichen ausdrücklich. Er habe Unrecht erkannt, richtig gehandelt und Verantwortung übernommen. Das Gericht verurteilte den Mann zu 30 Tagessätzen à 40 Euro, die Frau zu 30 Tagessätzen à 20 Euro. Zusätzlich müssen beide die Verfahrenskosten tragen.

Warum dieser Fall bemerkenswert ist

Illegale Fischerei – umgangssprachlich häufig als Schwarzfischerei bezeichnet – stellt einen Verstoß gegen geltendes Fischerei- und Strafrecht dar und kann mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden. In der Praxis werden entsprechende Verfahren jedoch häufig eingestellt, etwa wegen fehlender Beweise oder mangelnden öffentlichen Interesses.

Umso bemerkenswerter ist dieser Fall: Die genaue Beobachtung, das besonnene Vorgehen und die Bereitschaft, als Zeuge auszusagen, führten dazu, dass der Sachverhalt vollständig aufgeklärt werden konnte. Der Fall zeigt, dass aufmerksames Handeln – auch durch junge Menschen – einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Gewässer leisten kann.

Verantwortung für Gewässer und Fischbestände

Der Jugendliche ist selbst aktiver Angler und regelmäßig an heimischen Gewässern unterwegs. Im Verfahren schilderte er, dass er den Neckarabschnitt gut kenne und dort bereits mehrfach dieselben Personen beim Angeln beobachtet habe. Sein Verhalten steht exemplarisch für zentrale Werte der organisierten Angelfischerei: ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Mitmenschen sowie das Engagement für den Schutz unserer Gewässer.

Wer darf am Neckar angeln?

In Baden-Württemberg ist das Angeln nur mit gültigem Fischereischein erlaubt. Zusätzlich wird für nahezu alle Gewässer – auch für den Neckar in Rottenburg – eine gültige Gewässerkarte benötigt. Diese Erlaubnisscheine werden vom jeweiligen Fischereirechtsinhaber oder Pächter ausgegeben und dienen unter anderem der Finanzierung von Besatzmaßnahmen und Gewässerpflege.

Kontrollen erfolgen durch staatliche Fischereiaufseher, Polizei und Ordnungsbehörden. Hinweise aus der Bevölkerung können diese Arbeit sinnvoll ergänzen.

Appell des LFVBW

Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg sieht in diesem Fall ein wichtiges Signal. Illegale Fischerei schadet Fischbeständen und Gewässerökosystemen und untergräbt das Engagement der vielen Anglerinnen und Angler, die sich verantwortungsvoll und mit großem persönlichem Einsatz für Natur- und Artenschutz engagieren.

Unser Appell lautet daher: Hinsehen, Verantwortung übernehmen und bei Verdachtsfällen die zuständigen Stellen informieren. Nur gemeinsam können wir unsere Gewässer langfristig schützen.

Bei Fragen rund um Fischereischein, Ausbildung oder Gewässerkarten stehen wir euch über unsere Homepage oder die örtlichen Vereine gerne zur Verfügung.

 

Foto: Shutterstock

Kormoranbestände gefährden Fischbestände – DAFV fordert bundesweites und europäisch abgestimmtes Kormoranmanagement

Kormorane

Pressemitteilung

Berlin, 19.01.2026 – Der Deutsche Angelfischerverband e. V. (DAFV) warnt eindringlich vor den Folgen der hohen Kormoranbestände für die heimischen Fischpopulationen und bedrohte Fischarten. Die derzeit hohe Kormoranpopulation in Deutschland entspricht laut einer historischen Meta-Studie[1] keiner natürlichen Bestandsrückkehr auf Grundlage von Schutzmaßnahmen. Im Gegensatz zu den meisten heimischen Fischarten profitiert der Kormoran erheblich von der Klimaerwärmung, da die Gewässer in Deutschland heute im Winter kaum noch flächendeckend zufrieren. Der Fischartenschutz dürfe im Naturschutz nicht länger eine untergeordnete Rolle spielen. Angesichts belastbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse über den negativen Einfluss hoher Kormoranbestände auf heimische Fische fordert der DAFV ein wirksames, bundesweit koordiniertes und europäisch abgestimmtes Kormoranmanagement.

Anglerinnen und Angler wollen den Kormoran nicht ausrotten. Er ist Teil unserer aquatischen Lebensgemeinschaften“, betont DAFV-Präsident Klaus-Dieter Mau. „Doch wenn eine ehemals gefährdete Art sich infolge klimatischer Veränderungen und menschlicher Eingriffe so stark vermehrt, dass sie andere Arten und ganze Ökosysteme nachhaltig schädigt, dann ist verantwortungsvolles Management erforderlich.“

Das Ausmaß der Schäden durch Kormorane bleibt in der Regel weitgehend unsichtbar, da die Gewässer in Deutschland in den Wintermonaten nur noch selten zufrieren. Die Vögel können dadurch ungestört in tieferen Bereichen, Nebengewässern und klassischen Wintereinständen der Fische jagen, ohne dass dies öffentlich wahrgenommen wird. In diesem Winter jedoch wurden die Folgen erstmals wieder für eine breite Öffentlichkeit deutlich sichtbar, da sich große Kormorankonzentrationen an gut einsehbaren Abschnitten z.B. an der Havel, der Alten Fahrt sowie an mehreren Potsdamer Seen einstellten. Diese öffentliche Wahrnehmung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich nicht um ein neues oder einmaliges Ereignis handelt, sondern um ein seit Jahren bestehendes, strukturelles Problem mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Fischbestände.

Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen Handlungsbedarf

Der Kormoran zählt zu den am besten untersuchten Vogelarten der Welt. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über seinen Einfluss auf Fischbestände diskutiert. Während lange Zeit Zweifel an negativen Auswirkungen geäußert wurden, gilt der Zusammenhang zwischen hohem Fraßdruck durch Kormorane und dem Rückgang sensibler Fischarten inzwischen als wissenschaftlich belegt.

Dies wurde auch im Rahmen der öffentlichen Anhörung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages am 26. Juni 2024 zum Antrag „Kormoranmanagement – Schutz von Artenvielfalt und Fischereibeständen“ (BT-Drs. 20/10619) deutlich. Die geladenen Sachverständigen ließen keinen Zweifel daran, dass die derzeitigen Kormoranbestände in Mitteleuropa Fischbestände nachhaltig schädigen und die Artenvielfalt regional gefährden. Die zentrale Frage lautete nicht mehr ob, sondern wie Fischbestände künftig wirksam geschützt werden können.

Fischartenschutz gleichwertig berücksichtigen

Der DAFV kritisiert, dass Eingriffe zugunsten des Vogelschutzes im Naturschutz vielfach als selbstverständlich gelten, während vergleichbare Maßnahmen zum Schutz von Fischen häufig abgelehnt oder verzögert werden. „Fischarten dürfen nicht auf die Rolle reiner Nahrungslieferanten reduziert werden“, so Mau. „Ein moderner Naturschutz muss alle Artengruppen gleichwertig berücksichtigen.“

Besonders problematisch ist dabei die räumliche Trennung von Brutgebieten und Schadensräumen. In eigens dafür geschützten Gebieten wachsen Kormoranpopulationen vor allem in Norddeutschland stark an, während sie später in ihrem Leben in anderen Teilen Deutschlands und Europas – etwa an Voralpenflüssen – auf ihrem Winterzug enorme Schäden an Fischbeständen verursachen. Darunter leiden ehrenamtliche Wiederansiedlungsprojekte bedrohter Fischarten und darüber hinaus entstehen erhebliche fischereiwirtschaftliche Schäden.

Übergang vom Schutz zum Management als Erfolg des Naturschutzes

Bereits in den 1990er Jahren wurde dem Kormoran ein günstiger Erhaltungszustand attestiert. Infolgedessen wurde sein Schutzstatus im Jahr 1997 innerhalb der EU-Vogelschutzrichtlinie herabgestuft. Dennoch fehlt bis heute ein wirksamer europäischer Managementrahmen. Aus Sicht des DAFV ist der notwendige Übergang vom strikten Schutz hin zu einem aktiven Bestandsmanagement kein Rückschritt, sondern Ausdruck erfolgreicher Naturschutzarbeit.

Vergleichbar mit dem Umgang mit dem Wolf müsse auch beim Kormoran reagiert werden, wenn Populationen eine Größenordnung erreichen, die andere Arten gefährdet. „Gezielte Regulierung ist kein Gegensatz zum Naturschutz, sondern Voraussetzung für den Erhalt der biologischen Vielfalt“, so Mau.

Europäische Lösung dringend erforderlich

Da der Kormoran europaweit verbreitet und hochmobil ist, fordert der DAFV einen abgestimmten europäischen Managementplan. Ein solcher wird derzeit von der Europäischen Binnenfischereikommission (EIFAAC) im Auftrag der Europäischen Union erarbeitet. Der DAFV nimmt dazu an der internationalen Kormoran-Konferenz 2026 vom 03 – 06 Februar 2026 in Prag teil, bei der Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Umgang mit dem Kormoran beraten. Der Verband appelliert an die Bundesregierung, diesen Prozess aktiv zu unterstützen und nationale Handlungsspielräume konsequent zu nutzen.

Kormorane kennen keine Ländergrenzen“, fasst Mau zusammen. „Wer hohe Bestände gezielt fördert, muss auch Verantwortung für die ökologischen Folgen entlang des gesamten Lebenszyklus dieser Art übernehmen. Fischartenschutz darf kein Artenschutz zweiter Klasse sein.

Deutscher Angelfischerverband (DAFV)

Der Deutsche Angelfischerverband e.V. setzt sich aus Landes- und Spezialverbänden zusammen und vereint rund 9.000 Vereine mit insgesamt über 500.000 organisierten Mitgliedern.  Der DAFV ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland. Er ist gemeinnützig und anerkannter Naturschutz- und Umweltverband. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Er ist im Vereinsregister unter der Nummer 32480 B beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen und arbeitet auf Grundlage seiner Satzung. Der DAFV ist Mitglied der European Anglers Alliance (EAA).

 Pressekontakt:

Olaf Lindner

(030) 97 10 43 79

o.lindner@dafv.de

www.dafv.de

[1] Beike, M., C. Herrmann, R. Kinzelbach & J. de Rijk 2013: The Great Cormorant Phalacrocorax carbo sinensis in the German-speaking area and in The Netherlands between 800 and 1800. Vogelwelt 134: 233–261.

Foto: Marcel Weichenhahn

Die Murg ist Flusslandschaft der Jahre 2026/27

 

Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Angelfischerverbandes e.V. (DAFV) und der NaturFreunde Deutschlands

Berlin/Rastatt, 14. Januar 2026 – Die Murg in Baden-Württemberg ist Flusslandschaft der Jahre 2026/27. Mit der gemeinsamen Auszeichnung würdigen die NaturFreunde Deutschlands und der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) Renaturierungserfolge, Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie die Entwicklung des sanften Tourismus im Murgtal. Die offizielle Proklamation findet am kommenden Weltwassertag (22. März 2026) im Naturfreundehaus An der Murg in Rastatt statt.

Alle zwei Jahre rufen die NaturFreunde Deutschlands und der Deutsche Angelfischerverband eine gemeinsame Flusslandschaft der Jahre aus, um die Bevölkerung für die ökologische, wirtschaftliche und soziokulturelle Bedeutung der Flüsse und der von ihnen durchflossenen Landschaften zu sensibilisieren. Im Kampagnenzeitraum werden vor Ort Maßnahmen für Schutz, Renaturierung und Durchgängigkeit unterstützt sowie naturnahe Wander- und Erholungsgebiete gefördert.

Einer der vielseitigsten und interessantesten Flusslebensräume in Deutschland

Die Murg ist ein rechter Nebenfluss des Rheins. Sie fließt vom Nordschwarzwald in die Oberrheinische Tiefebene und mündet nach 80,2 Kilometern nordwestlich von Rastatt in den Rhein. Dabei überwindet sie mehr als 800 Höhenmeter; ihr Einzugsgebiet umfasst 617 Quadratkilometer.

Der Charakter der Murg ändert sich im Flussverlauf mehrmals deutlich: Die beiden größten Quellbäche entspringen in den Wäldern des Nordschwarzwaldes und vereinigen sich danach in einem breiten Wiesental. Anschließend folgt der Fluss einer engen Waldschlucht, in der er an einen alpinen Wildfluss erinnert. Im mittleren und unteren Murgtal strömt die Murg wieder deutlich sanfter, wird vielerorts von Gewerbekanälen begleitet und führt zuletzt als begradigter Flusskanal bis zur künstlich verlegten Mündung in den Rhein.

Die jüngere Geschichte dieser Flusslandschaft wurde stark geprägt von der Industrialisierung, wobei die damit verbundenen Eingriffe in den Fluss bis heute spürbar sind. Noch vor 150 Jahren war die Murg das bedeutendste Lachsgewässer in Baden. Mit der Industrialisierung verkam der Fluss jedoch zu einer Ablaufrinne für Industrieabwässer, wurde gestaut und im Unterlauf zudem in ein starres Bett gezwängt. Als Folge nahm der einstige Fischreichtum stark ab und der Atlantische Lachs verschwand gänzlich.

Nach Renaturierungen kehrte der Lachs zurück

Seit den 1990er-Jahren – und verstärkt seit Beginn der 2000er-Jahre im Kontext der EU-Wasserrahmenrichtlinie – wurden an der Murg zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt: Zahlreiche Wehre und Kleinwasserkraftanlagen wurden für Wanderfische passierbarer gemacht, Gewässerstrukturen verbessert, Auenbereiche reaktiviert und Mindestwasserregelungen wasserrechtlich festgelegt. Parallel dazu wurde die Gewässerbelastung durch verbesserte Abwasserbehandlung und die Verminderung des Wärmeeintrags deutlich reduziert.

Besonders im Unterlauf wurde das Flussbett strukturreicher gestaltet und unter anderem Flussinseln angelegt, Deiche zurückgebaut und Überflutungsbereiche geschaffen. Und nicht zuletzt wurden im Rahmen von Wiederansiedelungsprogrammen mehrere hunderttausend Lachsbrütlinge ausgesetzt. Das Wanderfischprogramm wird im Land Baden-Württemberg vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg umgesetzt.

Aufgrund dieser Maßnahmen haben sich sowohl die Gewässerstruktur und die Wasserqualität als auch der Fischreichtum der Murg in den letzten 20 bis 30 Jahren deutlich verbessert. Zwar werden die Bestände von vor der Industrialisierung noch nicht wieder erreicht. Doch im Jahr 2024 konnten bereits wieder insgesamt 30 Fischarten in der Murg nachgewiesen werden. Und auch der Lachs – ein wichtiger Indikator für die Durchgängigkeit von Flüssen – kehrt wieder regelmäßig zurück in die Flusslandschaft der Jahre 2026/27.

„Mit der Murg haben wir eine Flusslandschaft ausgezeichnet, die beispielhaft zeigt, wie ökologischer, sozialer und kultureller Wert eines Gewässers Hand in Hand gehen. Die Murg steht nicht nur für beeindruckende Natur und artenreiche Lebensräume, sondern auch für das Engagement der Menschen vor Ort, die sich für ihren Schutz und ihre nachhaltige Nutzung einsetzen. Als Deutscher Angelfischerverband sehen wir es als unsere Verantwortung, diese Erfolgsgeschichten sichtbar zu machen und gemeinsam mit Partnern weiterhin für gesunde, durchgängige und lebendige Flüsse in Deutschland zu arbeiten“, sagt der Präsident des DAFV, Klaus-Dieter Mau.

„Im Zuge der Klimaanpassung gewinnen Renaturierungsmaßnahmen in Flusslandschaften zunehmend an Bedeutung, weil durch sie Extremwetterereignisse wie Starkregen und Dürren besser abgefedert werden können. Die Murg bietet hier hervorragende Beispiele“, so Joachim Nibbe, Mitglied des Bundesvorstands der NaturFreunde Deutschlands. „Die neue Flusslandschaft der Jahre 2026/27 zeigt, wie notwendig die Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur und der EU-Wasserrahmenrichtlinie für den Erhalt von Ökosystemen sind.“

Murgtal Huzenbach
Das Murgtal bei Huzenbach. Foto: Guido de Kleijn

Wander-, Rad- und Wildwassertouren kombinierbar mit der Regionalbahn

Das Murgtal mit seiner reizvollen und abwechslungsreichen Landschaft ist auch ein attraktives Naherholungsgebiet, in dem viel für den sanften Tourismus getan wird. So führen drei sogenannte Natura Trails Wandernde durch das Schutzgebiet „Unteres Murgtal und Seitentäler“. Natura Trails sind Wandervorschläge der NaturFreunde, die auf attraktiven Faltblättern ökologische Zusammenhänge erklären und mit touristischen Informationen kombinieren. Sie sensibilisieren die Bevölkerung für die Naturschönheiten „vor der Haustür“.

Und es gibt viele weitere attraktive Wanderwege: Der Premiumwanderweg Murgleiter etwa erkundet auf 110 Kilometern Länge die Höhen beiderseits des Flusses. Dem Verlauf der Murg von der Quelle bis zur Mündung folgt der rund 100 Kilometer lange Murgtalwanderweg. Die Geschichte des Murgtals, der Murg und der Lachse in der Flusslandschaft der Jahre 2026/27 erzählt der Lachserlebnispfad zwischen Baiersbronn und Rastatt. Und auch die renaturierten Murgauen bei Rastatt laden zu erholsamen Spaziergängen ein.

Für Radtouren bietet sich der 67 Kilometer lange familienfreundliche Radwanderweg Tour de Murg an. Er beginnt in Freudenstadt und begleitet den Fluss dann ab Baiersbronn flussabwärts bis Rastatt. Viele Rad- und Wandertouren lassen sich hervorragend mit der Murgtalbahn kombinieren, die die Murg zwischen Rastatt und Baiersbronn begleitet.

Bei hohem Wasserstand, wie er nach ergiebigen Regenfällen oder der Schneeschmelze vorkommt, ist die Murg zudem mit dem Kajak befahrbar. Das Flussbett ist breit und wird von großen Felsen geprägt. Unter Kanusportlern gilt die Murg als einer der schönsten Wildwasserflüsse Deutschlands.

Zwölf Naturfreundehäuser laden zu Übernachtungen in der Flusslandschaft ein

Im zweijährigen Kampagnenzeitraum haben NaturFreunde und Angler an der Murg viel vor. Unter anderem wollen sie naturnahe Umweltbildung und gewässerökologische Seminare veranstalten, öffentlichkeitswirksame Naturschutz-Aktionen durchführen und viele öffentliche Wanderungen, Kanu- und Radtouren organisieren. Zudem werben die Kampagnenpartner auch intensiv verbandsintern, die neue Flusslandschaft der Jahre 2026/27 wandernd und angelnd zu entdecken sowie Gremiensitzungen und Vereinstreffen oder Freizeiten an der Murg zu organisieren.

Zwölf Naturfreundehäuser mit insgesamt 365 Übernachtungsplätzen laden zu Aufenthalten direkt in der Flusslandschaft der Jahre 2026/27 ein – als Basis für Exkursionen, Seminare und naturnahe Kurzurlaube.

Bisherige Flusslandschaften waren:

Stepenitz [Elbe] (24/25), Weiße Elster (20/23 – verlängert wegen Corona-Pandemie), Lippe (18/19), Trave (16/17), Argen (14/15), Helme (12/13), Emscher (10/11), Nette (08/09), Schwarza (06/07), Havel (04/05), Ilz (02/03), Gottleuba (00/01).

Pressemitteilung im Web: https://dafv.de/projekte/flusslandschaft-der-jahre/die-murg-ist-flusslandschaft-der-jahre-2026-27

 

Pressebilder und Logo Flusslandschaft zum Download: www.flusslandschaft.naturfreunde.de

 

Deutscher Angelfischerverband (DAFV)

Der Deutsche Angelfischerverband e.V. setzt sich aus Landes- und Spezialverbänden zusammen und vereint rund 9.000 Vereine mit insgesamt über 500.000 organisierten Mitgliedern.  Der DAFV ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland. Er ist gemeinnützig und anerkannter Naturschutz- und Umweltverband. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Er ist im Vereinsregister unter der Nummer 32480 B beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen und arbeitet auf Grundlage seiner Satzung. Der DAFV ist Mitglied der European Anglers Alliance (EAA).

Pressekontakt:

Olaf Lindner

(030) 97 10 43 79

o.lindner@dafv.de

www.dafv.de

 

NaturFreunde Deutschlands (NFD)

Die NaturFreunde Deutschlands (NFD) sind ein sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Mehr als 65.000 Mitglieder in über 500 Ortsgruppen mit rund 350 Naturfreundehäusern engagieren sich ehrenamtlich für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft. 1895 in Wien gegründet, gehören heute etwa 350.000 Mitglieder zur internationalen NaturFreunde-Bewegung. Die NaturFreunde Internationale (NFI) zeichnet alle drei Jahre die „Landschaft des Jahres“ aus.

Pressekontakt:

Samuel Lehmberg

(030) 29 77 32 65

presse@naturfreunde.de

www.naturfreunde.de

 

Kampagnenpartner:

Fachbereich Umwelt der NaturFreunde Baden-Württemberg

NaturFreunde-Koordinatorin Flusslandschaft der Jahre 2026/27: Murg

Ulrike Dieterle

ulrike.dieterle@naturfreunde-baden.de

 

Landesfischereiverband Baden-Württemberg e.V. und seine vor Ort ansässigen Vereine an der Murg

Jürgen Waldvogel Vizepräsident (Nordbaden)

juergen.waldvogel@lfvbw.de

Michael Groß, Bezirksvorsitzender Nordbaden

michael.gross@lfvbw.de

https://lfvbw.de

 

NaturFreunde Rastatt

Heinz Zoller
info@naturfreunde-rastatt.de
www.naturfreunde-rastatt.de

 

Angelsportverein Rastatt 1923
Werner Dautner
vorstand@asv-rastatt.de
https://asv-rastatt.de

Der DAFV ist Mitglied der European Anglers Alliance (EAA)

Deutscher Angelfischerverband e.V. · Reinhardtstraße 14 · 10117 Berlin · Tel. +49 30 97104379
Vorsitzender: Klaus-Dieter Mau · Eingetragen im Vereinsregister Berlin VR 34047 B

 

Foto: Guido de Kleijn

Pressemitteilung: Alarm unter der Wasseroberfläche – Fischartenschutz braucht Strukturvielfalt und wirksames Kormoran-Management

16. Dezember 2025 – Die heimische Fischfauna in Baden-Württemberg steht vor enormen Herausforderungen: Die neueste Rote Liste bestätigt den dramatischen Druck auf viele Arten.

Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg e.V. (LFVBW) plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der Strukturverbesserungen in den Gewässern mit einem gezielten Kormoran-Management kombiniert, um den Kollaps empfindlicher Bestände zu verhindern.

Wissenschaftliche Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen für einen effektiven Naturschutz.Im Folgenden die vollständige Pressemitteilung:

Foto: Shutterstock

 

Fachforum des Landesfischereiverbandes: Der Wels im Fokus der Fischerei

Friedrichshafen, 25. Oktober – „Der Wels. Im Fokus der Fischerei“ hieß es am Samstag, 25 Oktober im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen. Dabei ging es auch um den fortschreitenden Klimawandel und der sich wandelnden Aufgaben der Fischerei.

Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg hatte gemeinsam mit der Fischereiforschungsstelle Langenargen (FFS) zum inzwischen neunten Fachforum Angelfischerei eingeladen. Mehr als hundert Teilnehmende kamen aus den Angelvereinen Baden-Württembergs und Bayern.

Die Veranstaltung wurde von Gerd Schwarz, Schatzmeister des Landesfischereiverbandes, und Prof. Dr. Alexander Brinker, Leiter der FFS-Langenargen, eröffnet. Sie betonten die Bedeutung der Fischerei für den Landschafts- und Naturschutz. Das Grußwort der Stadt Friedrichshafen überbrachte Hans-Jörg Schraitle, Amtsleiter Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung und selbst in der Freizeit ein passionierter Fischer. Schraite lobte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem örtlichen Fischereiverein.

Dr. Jasmicna Behrmann-Godel vom Ministerium skizzierte die Herausforderungen durch den Klimawandel, etwa durch vermehrtes Hoch- und Niedrigwasser. Der sich stark ausbreitende und durch wärmere Temperaturen begünstigte Wels stelle dabei eine zunehmende Herausforderung dar. Außerdem ging sie kurz auf die Digitalisierung des Fischereischeins und das Kormoranmanagement ein.

Die Wels-Dynamik und Management-Ansätze

In den Vorträgen ging es beim Fachforum dann um verschiedene Aspekte rund um den Wels: Prof. Dr. Thomas Klefoth (Hochschule Bremen) thematisierte ein nachhaltiges Fischereimanagement, wobei der Besatz auch als „sozialer Druck“ betrachtet wurde, der eine vernünftige und ökologische Gewässerbewirtschaftung mit sich bringt.

Mit Nahrungswahl, Wachstum und Bestandsentwicklung heimischer Welse beschäftigte sich Dipl. Ing. agr. Stephan Hüsgen (Regierungspräsidium Karlsruhe). Er stellte fest, dass die Größe des Gewässers und die Temperatur entscheidend für das Wachstum ist. Die Beutefische der Welse seien selbst bei großen Tieren selten größer als neun Zentimeter, zudem stünden Krebse, vorwiegend Kamberkrebse, aber auch Sonnenbarsche, auf dem Speiseplan. Beide Arten gelten als invasive Arten. Der Kamberkrebs ist zudem Überträger der Krebspest, die für heimische Krebse tödlich endet. Hüsgen wies darauf hin, dass die Hegeverpflichtung die Entnahme großer Fische vorsehe und Catch & Release, also das Fangen fürs Foto und wieder Einsetzen von Fischen in Baden-Württemberg verboten sei.

Dr. Albert Ros (FFS-Langenargen) präsentierte in seinem Vortrag Ergebnisse zur Habitatwahl und dem Schwimmverhalten von Welsen, die zeigten, dass die Fische kurzzeitig auch tiefere Gewässerbereiche zur Jagd nutzen. Dr. Samuel Roch (FFS-Langenargen) beleuchtete die Ausbreitung und genetische Vielfalt des Welses in Baden-Württemberg, deren Verbreitungsgebiet sich bioklimatisch bedingt verdoppelt hat, insbesondere in Zuflüssen wie Neckar, Jagst und den Bodenseezuflüssen.

Herausforderungen für die Angelfischerei

Zum Abschluss widmete sich Dr. Frank Hartmann (Regierungspräsidium Karlsruhe) dem angelfischereilichen Management. Angesichts von 5.000 bis 6.000 Neuanglern jährlich bei gleichbleibender Befischungsfläche sei der Konkurrenzkampf und die Erwartungshaltung der Fischer enorm. Er betonte die Notwendigkeit, Ausbildungsinhalte anzupassen und Gewässerwarte in ihren Bemühungen eine nachhaltige und ökologischen Gewässerbewirtschaftung im Sinne des Natur- und Artenschutzes stärker zu unterstützen. Sein Fazit: „Einfache Lösungen gibt es nicht. Wir teilen den Ertrag auch mit anderen.“

Zuletzt präsentierte Barnaby Robert (FFS-Langenargen) erste Daten zur Tiefen- und Nahrungswahl von Felchen in Zeiten des Klimawandels, die mittels akustischer Telemetrie gewonnen wurden. Diese Daten sind wichtige Grundlagen zur Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Felchenbestand im Bodensee.

Die Vorträge zeigten, dass die Fischerei vor komplexen Aufgaben steht, bei denen der Wels als Profiteur des Klimawandels eine Schlüsselrolle spielt, was ein angepasstes, wissenschaftlich fundiertes Management erforderlich macht.

Von Simon Wachter

Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim LFVBW-Bezirk Südbaden

 

 

Analyse der ökologischen Resilienz der Dreisam im Kontext des anthropogenen Wandels.

Der Anlass:

Die koordinierte Fischzählung am 12. Juli als Fallstudie für das Gewässermanagement.

Die am 12. Juli in Freiburg durchgeführte Fischzählung in der Dreisam war mehr als eine einfache Routineaktion; sie stellt eine koordinierte und wissenschaftlich fundierte Fallstudie im praktischen Gewässermanagement dar. Die Aktion, bei der sich die Interessensgemeinschaft Dreisam (IG-Dreisam) als federführendes Organ, gemeinsam mit Mitgliedern des Angelsportvereins Freiburg (ASV Freiburg), des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg (LFVBW) und die Ehrenamtliche Fischereiaufsicht der RP Freiburg zusammenfand diente einem doppelten Zweck: der Umsiedlung von Fischen vor anstehenden Baumaßnahmen und der Erhebung von Langzeitdaten zur Überwachung der jährlichen Veränderungen im Fischbestand. Die Messung, Zählung und Umsiedlung der Fische erfolgte mittels Elektrofischerei, einer in der Gewässerökologie etablierten Methode, die eine schonende Erfassung der Population ermöglicht. Diese Vorgehensweise bestätigt den wissenschaftlichen Anspruch der Veranstaltung, die auf die Gewinnung valider Daten für die Gewässerforschung abzielt.

Die Durchführung der Operation demonstrierte ein hohes Maß an Professionalität und Sicherheitsbewusstsein.

An der Veranstaltung waren mehrere Schlüsselakteure beteiligt, die jeweils eine spezifische Rolle im Projekt übernahmen. Die IG-Dreisam, deren Mission die Renaturierung der Dreisam ist, leitete die Veranstaltung und war primär für das Monitoring zuständig. Der 2. Vorsitzende Jürgen Steiner der IG-Dreisam begrüßte die Anwesenden, was die leitende Funktion der IG-Dreisam unterstreicht. Der Angelsportverein Freiburg wiederum, dessen Selbstverständnis der Schutz der Gewässer und die nachhaltige Nutzung der Fischbestände ist, übernahm die physische Umsiedlung der gefangenen Fische in sichere Bereiche flussauf- und abwärts. Die fachliche Leitung oblag dem Landesfischereiverband Baden-Württemberg, vertreten durch Claudio Schill (Bezirksreferent für Gewässer), Klaus Lachner, Ingo Kramer und Martin Mitschele (Referenten für Gewässer Nordbaden) sowie der Fischereibehörde, vertreten durch Herbert Kaiser als ehrenamtlichen Fischereiaufseher.  Die Anwesenheit dieser hochrangigen Vertreter des Verbandes bestätigt die Bedeutung des Projekts und die enge Zusammenarbeit zwischen lokalen Vereinen und überregionalen Fachverbänden.

Analyse des Fischbestandes: Quantitative und qualitative Bestandsaufnahme.

Die Ergebnisse der Fischzählung lieferten ein differenziertes Bild des Dreisam-Ökosystems. Während in den vergangenen Jahren eine höhere Populationsdichte verzeichnet wurde, zeigte die diesjährige Zählung einen Rückgang im Fischbestand. Die quantitative Abnahme erfolgte im Zusammenhang mit dem Metarhithral (untere Forellenregion).

Die Artenzusammensetzung der gefangenen Fische umfasste eine Reihe von Indikatorarten, darunter Schmerlen, Elritzen, Bachforelle, Schneider und Groppen. Diese Fische sind bekannt dafür, dass sie saubere, strukturreiche und sauerstoffreiche Kaltwasserhabitate bevorzugen.

Ein besonders ermutigendes Ergebnis war der Fang von einjährigen Bachforellen. Das Überleben dieser Jungfische ist ein entscheidender ökologischer Indikator. Die Bachforelle ist eine anspruchsvolle Fischart, die auf kühle, sauerstoffreiche Gewässer und kiesige Laichgründe angewiesen ist. Das Vorkommen der einjährigen Fische belegt, dass die Dreisam seit einigen Jahren geeignete Bedingungen für die natürliche Reproduktion dieser sensiblen Art bietet. Es zeigt, dass der Fluss trotz negativer Trends (hoher Freizeitnutzung, die Folgen des Klimawandels und seiner extrem hoher strukturellen Überformung) eine bemerkenswerte Resilienz aufweist und ein hohes Potenzial für kieslaichende Fische hat. Die laufenden Anstrengungen zur Verbesserung der Flussstruktur und des Habitats müssen weiterhin gefördert werden. Aus fischereibiologischer Sicht ist dies ein fundamentales Argument für die Fortsetzung und Intensivierung der Renaturierungsarbeiten.

Eine detaillierte Übersicht über die Beobachtungen und deren ökologische Implikationen ist in der folgenden Tabelle dargestellt:

Fischart Beobachtung Ökologische Bedeutung
Bachforelle Nicht nur ein Vorkommen einjähriger Fische, sowie aller Größen Bestätigt erfolgreiche Reproduktion und die Existenz geeigneter Laichgründe (Kinderstube) in der Dreisam. Wichtiger Ökostamm aus dem Ibental.
Groppe, Schmerle, Elritze und Schneider Der Gewässerstruktur angepasstes Vorkommen Indikatoren für eine gute Wasserqualität, kühle Temperaturen und strukturreiche Habitate mit Steinen und Versteckmöglichkeiten.
Diverse Arten Insgesamt geringere Anzahl als in den Vorjahren Hinweise auf natürliche Stabilisierung aufgrund der Gewässerstruktur

Systemische Einflussfaktoren auf das Ökosystem der Dreisam.

Der leichte Rückgang des Fischbestandes ist das Resultat einer komplexen Interaktion aus historischen Veränderungen, andauerndem anthropogenem Druck und den Auswirkungen des Klimawandels. Diese Faktoren wirken sich kumulativ auf die Hydromorphologie und die ökologische Integrität des Flusses aus.

4.1. Hydromorphologie und die Geschichte der Dreisam.

Die heutige Beschaffenheit der Dreisam ist das Ergebnis einer langen Geschichte menschlicher Nutzung. Der Fluss wurde in der Vergangenheit, unter anderem aus Gründen des Hochwasserschutzes und Nutzung des Umfeldes (Industrie und Straßen), in ein enges, trapezförmiges Bett gezwängt. Diese „Kanalisierung“ reduzierte die natürliche Vielfalt der Flussstruktur, die für ein gesundes Ökosystem unerlässlich ist. Eine artenreiche Gewässerstruktur umfasst abwechslungsreiche Bereiche mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten, Ruhezonen, Laichgründen und Unterständen ohne diese Vielfalt, wie sie in einem begradigten Flussabschnitt vorherrscht, können sich Fischpopulationen nicht nachhaltig entwickeln, da ihnen spezifische Lebensräume für die verschiedenen Phasen ihres Lebenszyklus fehlen.

Als direkte Antwort auf diese historischen Defizite werden strategische Renaturierungsmaßnahmen ergriffen. Dazu gehören die Aufweitung des Flussbettes, der Einbau von Lenkbuhnen und das Anlegen von Ruhigwasserzonen, die eine Strömungsvielfalt erzeugen sollen. Darüber hinaus sind die Reparaturen an älteren Strukturen, die durch das Hochwasser im letzten Jahr beschädigt wurden, wie die erneute Befestigung von Baumstämmen, von großer Bedeutung, da Totholz und Wurzelstöcke wichtige Versteck- und Rückzugsorte für Fische bieten. Grundwasseraustritte bedienen die kalte Wasserstellen.

4.2. Anthropogener Nutzungsdruck und seine Folgen.

Die Zunahme von Besuchern und Badegästen stellt einen weiteren bedeutenden Stressfaktor für das Dreisam-Ökosystem dar. Die physische Anwesenheit von Menschen kann sensible Ufer- und Flachwasserbereiche stören, die als Aufwuchsgebiete oder Ruhezonen dienen. Darüber hinaus führen der zurückgelassene Müll, der an inoffiziellen Badestellen mangels Infrastruktur häufig liegen bleibt, die zunehmende Gewässerverschmutzung durch Kosmetika wie Sonnencremes und sonstige Organische Belastungen durch Freizeitnutzung (keine freien Toiletten, höhere Nährstoffeintrag aus der Umwelt) zu einer Belastung des Ökosystems.

Die Beobachtung, dass sogar Möbelstücke in den Fluss gestellt werden, ist nicht lediglich eine Form von Vandalismus. Sie offenbart eine tiefgreifende kognitive und ethische Kluft im Verständnis der Dreisam als Lebensraum. Während technische Maßnahmen oder einfache Verbote kurzfristige Effekte erzielen können, liegt die eigentliche Herausforderung in der fehlenden Wertschätzung des Flusses als lebendiges System. Das Fehlen dieses Bewusstseins zeigt, dass eine rein regulatorische oder technische Lösung nicht ausreicht. Ein nachhaltiger Schutz des Gewässers kann nur erreicht werden, wenn die Öffentlichkeit den Fluss nicht nur als Freizeiteinrichtung, sondern als fragiles Ökosystem wahrnimmt, das ihren Schutz benötigt.

4.3. Klimawandel und die strategische Bedeutung der Kaltwasserpools.

Die Fischzählung in der Dreisam ist auch im Kontext der zunehmenden Klimaerwärmung zu betrachten. Steigende Wassertemperaturen und längere Trockenperioden stellen eine existenzielle Bedrohung für Kaltstenoterme Fischarten dar. Die „Kaltwasserpools“, deren Reparatur die Baumaßnahmen in der Dreisam auslösten, sind eine direkte strategische Antwort auf diese Herausforderung.

Diese Pools die, als bis zu 1,7 Meter tiefe Senken angelegt wurden, dienen als thermische Rückzugsorte für Fische während Hitze- und Niedrigwasserphasen. Tausende von Fischen haben in den bereits bestehenden Pools Zuflucht gefunden. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wird durch fortlaufende Mentoringprogramme untermauert. Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg betreibt ein landesweites „Temperaturmonitoring Gewässer“-Projekt, das Langzeitdaten sammelt und die Auswirkungen des Klimawandels auf aquatische Lebensräume dokumentiert. Solche Datensätze ermöglichen es, die Wirksamkeit der Kaltwasserpools wissenschaftlich zu überprüfen und zukünftige Maßnahmen zur Stabilisierung der Gewässer abzuleiten. Diese datengestützte Zusammenarbeit zwischen Behörden, Fachverbänden und Forschungseinrichtungen, wie die der Universität Freiburg, stellt eine fundierte und zukunftsorientierte Herangehensweise an den Gewässerschutz dar.

Eine zusammenfassende Übersicht über die systemischen Stressoren und die daraufhin ergriffenen Maßnahmen ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:

Stressfaktor Beobachtete Auswirkungen Konkrete Maßnahmen
Hydromorphologische Defizite Reduzierte Artenvielfalt; Verlust von Lebensräumen (Laichplätze, Rückzugsgebiete) Kontinuierliche Renaturierung (Aufweitung des Flussbettes, Einbau von Lenkbuhnen, Anbringen von Wurzelstöcken)
Anthropogener Nutzungsdruck Rückgang des Fischbestandes; Zerstörung von Habitaten durch Betreten; Müll- und Schadstoffeintrag Aufklärung der Öffentlichkeit; Schaffung von geschützten Uferzonen; Verbesserung der Infrastruktur
Klimatische Erwärmung Anstieg der Wassertemperatur; Niedrigwasser; Fischsterben Bau von Kaltwasserpools als thermische Rückzugsräume; Langfristiges Temperaturmonitoring

 

  • Weiterführung der hydromorphologischen Maßnahmen: Die Renaturierungsarbeiten müssen als langfristiges und kontinuierliches Projekt verstanden werden. Das erfolgreiche Vorkommen der einjährigen Bachforellen bestätigt, dass der Ansatz zur Schaffung vielfältigerer Flussstrukturen fundamental richtig ist. Die fortlaufende Nacharbeit, wie sie im Rahmen der Maßnahmen zur Befestigung von Baumstämmen beschrieben wurde, ist unerlässlich, um die Stabilität des Gewässers zu sichern.
  • Stärkung der Öffentlichkeitsarbeit: Um dem fehlenden Bewusstsein der Öffentlichkeit entgegenzuwirken, ist eine umfassende Sensibilisierungskampagne unerlässlich. Es wird empfohlen, öffentlich zugängliche Bereiche als „Achtsamkeitszonen“ auszuweisen, in denen die Besucher aktiv dazu ermutigt werden, die Flussökologie zu beobachten, statt sie zu stören. Bildungsmaßnahmen, wie Informationstafeln oder digitale Kampagnen, sollten die Geschichte des Flusses und die Bedeutung seiner Artenvielfalt erklären, um eine Kultur des Respekts zu fördern.
  • Optimierung des Monitorings: Das laufende Fisch- und Temperaturmonitoring ist von unschätzbarem Wert. Um die Wirksamkeit der Maßnahmen langfristig beurteilen und auf zukünftige klimatische Veränderungen reagieren zu können, sollte das Monitoring fortgesetzt und, wo möglich, ausgeweitet werden. Die erhobenen Daten bilden die wissenschaftliche Grundlage für jede zukünftige Entscheidungsfindung im Gewässermanagement.
  • Kooperation als Erfolgsfaktor: Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen – der IG-Dreisam, dem Angelsportverein Freiburg, dem Landesfischereiverband, der Fischereiaufsicht RP Freiburg und des Landesbetriebes für Gewässer des RP Freiburg– hat sich als äußerst effizientes Modell erwiesen. Diese koordinierte Partnerschaft, die es ermöglicht, Expertenwissen und ehrenamtliches Engagement zu bündeln, ist der entscheidende Erfolgsfaktor für den Schutz der Dreisam und sollte als Blaupause für ähnliche Projekte in anderen Regionen dienen.

Verfasser des Berichts: Simon Wachter

Landesfischereiverband Baden-Württemberg Bezirk Südbaden

Fachlich geprüft durch: Claudio Schill

Landesfischereiverband Baden-Württemberg Bezirk Südbaden

 

Bericht zum Landesfischereitag Bad Herrenalb am 24. Mai 2025

Der Landesfischereitag in Bad Herrenalb am 24.05.2025

konnte mit leichter Verzögerung beginnen. Es begrüßte Thomas Wahl als Präsident des LFVBW die Ehrengäste und die zahlreich erschienenen Teilnehmer zum diesjährigen Landesfischereitag in Bad Herrenalb und dankte Herrn Minister Hauk von der CDU für seine Anwesenheit, der es sich trotz vehementem Termindruck nicht nehmen ließ, dabei zu sein. Stellvertretend für den verhinderten Bürgermeister von Bad Herrenalb ging Thomas Wahl mit ein paar Informationen auf den diesjährigen Veranstaltungsort ein, bevor er das Grußwort an Minister Hauk weitergab.

Grußwort Herr Hauk (CDU)

Erfreut über die Möglichkeit seiner Anwesenheit berichtete Herr Minister Hauk über den Zusammenhang zwischen den Naturverbundenen und dem nachhaltigen Nutzungsaspekt. Auch erwähnte er nochmals den Erfolg der Herabsetzung des Alters für den Jugendfischereischeins und die damit verbundenen politischen Auseinandersetzungen – es wäre nicht einfach gewesen! Ebenfalls lobte er das Engagement des LFVBW für die Lachszucht im Wolfachtal und die Bemühungen der Wiederansiedelung des Maifisches. Der Schulterschluss zwischen Politik und den Fischern wird bereits mit zahlreichen gemeinsamen Projekten praktiziert und auch finanziell unterstützt.

Die Pflege und Hege der Gewässer könne die Landesregierung ohne die ehrenamtlich tätigen Angler gar nicht leisten und er möchte hierfür seinen Dank aussprechen. Mit den Wünschen eines erfolgreichen Landesfischereitages verabschiedete er sich und eilte kurze Zeit später zum nächsten Termin.

Grußwort Herr Dietz (Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V.)

Nachfolgend begrüßte Herr Dietz vom Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. die Anwesenden und berichtete von einem bunten Strauß an Themen, beginnend mit dem Tag der Artenvielfalt mit rund 200 Veranstaltungen, die Dringlichkeit der Jugendeinbindung, Berichte – einfach und verständlich erklärt, aber auch Probleme mit Krankheiten wie z.B. die „Einwanderung“ der Schweinepest. Es müsse jeder möglichst alles dazu beitragen um Übertragungen zu verhindern. Weiterführend erwähnte er den Waldumbau, dieser solle jagdlich begleitet und mit Äsungsflächen und Ruhezonen für das Wild auch auf kommunalen Flächen bereichert werden. Als Utopie bezeichnete er die Einstellung, man bräuchte keine Schutzmaßnahmen. Zum Beispiel dient Monitoring auch zur Versachlichung und Entspannung in Diskussionen. Als gutes Bespiel bezeichnete er das Luchsmonitoring, so konnte mithilfe dieses Monitorings festgestellt werden, was ein Luchs an Nahrung jährlich aufnimmt und in welcher Fläche er diese erbeutet. Mit diesen Daten konnten etliche Vorurteile und Falschbehauptungen entkräftet werden. Wünschenswert wäre in diesen Belangen auch eine bessere Zusammenarbeit mit den Ministerien.

Er reicherte sein Grußwort mit einer Anekdote an, er habe den Traum eines geregelten Kormoranvorkommens, damit auch andere Lebewesen im Wasser eine Chance bekommen und informierte abschließend über seine Abdankung als Bezirksjägermeister des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg aus privaten Gründen. Mit der Danksagung an den LFVBW für die immer gute Zusammenarbeit und den Wünschen, wir mögen weiterhin viel Erfolg haben, beendete er sein Grußwort.

Grußwort Dr. Hartmann (Fischereireferent beim Regierungspräsidium Karlsruhe)

Als Beauftragter der Fischereibehörde des RP Karlsruhe eröffnete er, dass allen Naturschutzverbänden wie auch dem LFVBW alles daran liegen muss, die Tiere zu schützen, mit denen sie sich beschäftigen. Er ging auf die natürliche Ertragsfähigkeit ein und das Angebot, hier helfen zu können um einen gesunden Kompromiss zu finden. Eine ganz wichtige Säule in der Angelfischerei sei natürlich die Ausbildung, die sich zunehmend verändert und erweitert, um auch zukunftssicher zu sein. Ein Umdenken mit eventuell entstehendem Generationenkonflikt mag zwar begleitend sein, doch die großen Herausforderungen der Zukunft könnten wir nur gemeinsam lösen.

Videogruß Herr Hagel (CDU)

Er bedankte sich, zumindest per Videogruß am Landesfischereitag teilnehmen zu dürfen und lobte das Engagement und die Heimatliebe der Fischereivereine. Ebenfalls dankend für die vielen ehrenamtlichen Einsätze betonte er die Wichtigkeit dieser Bemühungen für die Fischbestände und der Jugendarbeit. Mit dem Erwähnen von Herausforderungen ging er auch auf das Befahren von Forstwirtschaftlichen Wegen ein und erklärte die Komplexität dieser Praxis, betonte jedoch, dass dies zur Hege- und Pflegemaßnahme gehöre und genehmigt werden müsse. Daran anknüpfend erweiterte er die Aufgabenstellung mit Aufnahme des Bibers ins Jagdrecht, der Wasserknappheit mit den verbundenen Problemen und bezeichnete die Angler als das Frühwarnsystem der Gewässer und dass eben diese Angler viel mehr leisten als nur ihrem Hobby nachzugehen, sie sind Dienstleister der Natur!

Vortrag: Vorstellung Gewässerbündnis BUND, NABU und LFVBW durch Frau Dr. Pascher

Nach diesen wohlwollenden Worten startete nun der Vortrag: Vorstellung Gewässerbündnis durch Frau Dr. Pascher. Sie begann mit der ausführlichen Erklärung, wieso Gewässerschutz für uns Menschen so wichtig ist und wie dieser Schutz sich auf welche Gewässer auswirken soll. Welche mechanischen Einschnitte z.B. durch Wasserkraftwerke gibt es und wie sind die Auswirkungen. Der zeitliche Ablauf dieser Erhebungen ist in mehreren Jahren aufgeteilt um z.B. Planungsverfahren und baurechtliche Genehmigungen mit einzubeziehen. Kommunale und übergeordnete Behörden wurden in ihrer Zuständigkeit genannt. Nur 6% der Gewässer in BW seien in ökologisch gutem Zustand. Die Landesverbände BUND, Nabu und LFVBW haben sich zusammengeschlossen, um schnellstmöglich eine Änderung zu bewirken. Ein großes Ziel ist es, ein landesweites Netzwerk aufzubauen, um auf alle Daten zurückgreifen zu können. Die Projektträger dieses Gewässerbündnisses wurden vorgestellt und die Ziele wie z. B. der Austausch von Erfahrungen oder Vermittlung von Experten, Fachexkursionen – auch vor Ort, definiert.

Hinweise zu Veranstaltungen sowie auf die Webseite: www.gewaesserbuendnis-bw.de und der Ausblick auf die zukünftige Vorgehensweise ergänzten den sehr informativen Vortrag. Die anschließende Fragerunde der Teilnehmer bezüglich allgemeiner und aktueller Probleme, WRRL und deren Überwachung oder auch Fördertöpfe wurde intensiv genutzt.

Damit endete der informative Teil des Landesfischereitages 2025 und nach der Mittagspause begann die Jahreshauptversammlung. Der Bericht hierzu wird nach Erstellung des Protokolls nachgereicht.

© Bilder: Schiwon, Text: Groth

 

Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V.
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.